Epiloge!

„Es war einmal..“. Einleitend mit dieser bekannten Wordhülse möchte ich den Weg ebnen, der mich zu diesen Punkt gebracht hat, eine Domain zu kaufen und einen Block zu schreiben. Aber warum dann Epilog? Wäre Prolog nicht inhaltlich sinniger? Ich denke rückblickend betrachtet war alles vor dem 16. März 2021 die Hauptgeschichte, das Drama, meiner Geschichte. Das Nachwort oder Schlussrede soll dieser Block beschreiben. Am 16. März wurde nach langer und verzweifelter Suche bei einem CT im Krankenhaus die Ursache dafür festgestellt, warum ich Monate lang schmerzen und damit verbunden Schlafentzug hatte. Eine Odyssee an Arztbesuchen und Behandlungen hatten ein Ende. Meine Hausärzten rief mich spät am Abend an und teilte mir mit, dass die Radiologin etwas auf den Aufnahmen an der Leber gefunden hatte, ich mir aber keine Sorgen machen sollte. Ein MRT soll in den nächsten Tagen Gewissheit bringen. Zu dem Zeitpunkt war mir klar, dass nun endlich die Urasche gefunden wurde und man endlich anfangen konnte mir zu helfen. In mir überwog eher ein Glücksgefühl, als die Angst vor dem Unbekannten. Gallengangskarzinom – ein seltener Tumor an der Leber, der bei 1 bis 2 pro 100.000 Menschen auftritt, allerdings erst im Alter ab 60 Jahren. Mir wurde sehr schnell bewusst, dass es sich hier um etwas Seltenes und Besonderes handelte. Sofort nach der Diagnose erhielt ich nämlich einen OP-Termin und ein aufklärendes Gespräch mit Chefarzt und Spezialisten der Klinik. Wenn sich auf einmal ganze Ärzteteams und Chefärzte für einen Interessieren, ist das zwar äußerst schmeichelhaft, aber verdeutlicht auch die Lage in der ich mich befand. Mit einer Leberresektion wurde mir die Hälfte der Leber inklusive Tumor entfernt. Alles lief problemlos und als die OP-Schmerzen langsam wichen und ich erstmals wieder ohne Schmerzen ein- und ausschlafen konnte, machte sich in mir der Gedanke breit: „..nochmal Glück gehabt, von nun an geht es wieder Berg auf..“. Der Sommer ging ins Land und unter Chemotherapie tat ich alles um wieder körperlich und geistig fit zu werden, um im Herbst wieder ins Arbeitsleben einzusteigen und zu reisen. Ende September unternahm ich wieder meine erste Reise seit Pandemieausbruch nach Rumänien und holte mir mein Gefühl der Freiheit und des Abenteurers zurück, welches ich immer auf meinen zahlreichen Städtetrips fühlte und liebte. Doch irgendwas war komisch. Nachts traten wieder diese komischen Schmerzen auf. Hatte ich es mit dem Training übertrieben oder machte die lange Bauchnarbe Probleme? Bei der Tumornachsorge mit Ultraschall war nichts auffällig. Kommen wir nun zu dem Zeitpunkt, warum das alles hier als Nachwort einzugliedern ist. Ein erneutes CT brachte das Ergebnis, dass neue Metastasen in Leber, Lunge und Bauchspeicheldrüse gewachsen waren und das in sehr kurzer Zeit. Auch ohne die bedachten aber ernsten Worte der Ärzte war mir klar, was dies zu bedeuten hatte und das auch ohne das Internet zu bemühen, was immer eine schlechte Idee ist. Seitdem Tag lebe ich mein Leben so intensiv und bewusst wie möglich und bin unendlich dankbar zum Einen, dass ich schon so früh mit Reisen angefangen habe und mir schon so viele Wünsche von meiner Bucketliste erfüllt hab und zum Anderen, dass ich eine wirklich fantastische Familie und Freunde habe, auf die ich zählen kann. Ich bin ehrlich zu mir und weiß, dass es Millionen an Schicksalen dieser Art gibt, aber das ist mein Film in dem ich die Hauptrolle spiele. Um es in einem Gleichnis zu beschreiben, bin ich ins Auto gestiegen und fahre los mit dem Wissen, dass ich nicht an meinem geplanten Ziel ankommen werde, sondern auf dem Weg dorthin mir etwas passieren wird. Diese Umstand mag für viele beängstigend sein, weil man ja weiß, das etwas passiert, aber nicht wann. Meine Herangehensweise an diesen Umstand äußert sich dementsprechend, dass ich die Fahrt genieße, mir alle Ort an denen ich vorbeikomme nochmal bewusst anschaue und Menschen, die ich am Straßenrand sehe, zuwinke. Und natürlich den Kofferraum voll mit unnützen Zeug habe, welches ich immer schonmal haben wollte. Jenes Zeug werde ich in diesem Blog thematisieren und um den Bogen zum Gleichnis zu schlagen. Jeder von uns steigt in ein Auto und fährt los um das Ziel zu erreichen. Und vielen passiert auch ohne lebenseinschneidenden Diagnosen ein Unfall auf dem Weg dorthin. Der Unterschied zu meiner Fahrt ist nur das Wissen, dass es passieren wird. Also steig nicht ins Auto und lass dich kutschieren oder verschlafe deine Autofahrt. Besorgt dir ein paar Snacks für die Fahrt, hör gute Musik und genieße den Rausch der Geschwindigkeit, aber auch das Schritttempo, wenn mal wieder Stau zu sein scheint. Und beschreite diesen Roadtrip nur mit Menschen, die du auch um dich haben willst.

04/21
  1. Avatar von Julia

    Mir wurde der Link von einer Freudin geschickt , du warst früher in meiner Paralelklasse . …..Krebs ist ein Aloch…

  2. Avatar von Nina Langbein
  3. Avatar von ekolizer

    Hallo Nina, vielen lieben Dank für deine aufmunternden und tollen Worte, dass berührt mich wirklich sehr. Ich verspreche alles zu…

  4. Avatar von Nina Langbein
    Nina Langbein zu Epiloge!

    Hallo lieber Benny, ich bin ziemlich geschockt und erschüttert zu gleich. Gib nicht auf und kämpfe bis zum Schluss. Das…

3 Antworten zu “Epiloge!”

  1. Hallo lieber Benny, ich bin ziemlich geschockt und erschüttert zu gleich.
    Gib nicht auf und kämpfe bis zum Schluss.
    Das Leben ist manchmal ein kleines Arschloch aber wenn man an sich glaubt und Familie und Freunde an der Seite sind, sollte jeder Stolperstein kein Abgrund sein.
    Ich drücke dich ganz fest und du schaffst das!

    Lieben Gruß Nina
    (ich hoffe du weißt noch wer ich bin)

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    • Hallo Nina,
      vielen lieben Dank für deine aufmunternden und tollen Worte, dass berührt mich wirklich sehr.
      Ich verspreche alles zu geben und natürlich weiß ich das. =)
      Ganz liebe Grüße zurück, hoffe es geht dir gut.

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  2. Mir wurde der Link von einer Freudin geschickt , du warst früher in meiner Paralelklasse .
    …..Krebs ist ein Aloch …ich begleite regelmäßig Menschen auf ihrem letzten Weg …aber die sind alt .
    Es erschüttert mich sehr …das es so einen jungen Menschen getroffen hat…und in diesem Moment wird mir bewust ….das es jeden von uns treffen kann .
    Du musst positiv denken , was soll man sonst tun 😶….
    Ich wünsche dir und deiner Familie auf deinen Weg ,viel Kraft , ….ich bewundere deinen Mut …andere an deiner Geschichte teile haben zu lassen ….und das du zeigst wie stark man sein kann ….das nimmt die Angst , vor dem was mal auf einen selbst zu kommen könnte ….lg

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