Endlich wieder unter Bewachung

Vollpension, Betreuung rund um die Uhr und gratis Medikamente im Einzelzimmer, wer wünscht es sich nicht. Was sich nach „all inklusive“ anhört, fühlt sich für mich fast schon so an. Sogar ein Bändchen bekommt man wie im Urlaubsressort. Ja okay, lange hat es nicht gedauert, bis ich mich in den bekannten Hallen des Klinikums wieder fand, allerdings hab ich diesmal ganze neun Tage geschafft. Bitter natürlich, da ich gerade mit meinem Lego-Set angefangen hatte, was jetzt etwas verweist auf meinem wunderschönen neuen Wohnzimmertisch lagert. Bitter für mein Bankkonto, da ich wieder die Zeit und Langeweile habe, nach neuen Anschaffungen zu Shoppen. Um mich zu trösten und aufzumuntern. Vielleicht sollte ich mich mit jedem überstandenen Besuch mit neuen Schuhe belohnen. Dann könnte ich zumindest meine Schuhsammlung rechtfertigen. Leid tut es mir mal wieder um meine Familie und das ich nicht zum Geburtstag meiner Mum zu Hause seien kann. Es würde mir genügen mal wieder ein positives Zeichen zu sehen oder wenigstens eine Tendenz. Im Moment sucht man nach der Ursache für meine Atemnot und meine eher passable körperliche Verfassung. Auch die Metastasen abseits der Leber, die mit SIRT behandelt werden, in Lunge und Bauchspeicheldrüse sind wieder größer geworden. Wahrscheinlich kommt man an einer parallel laufenden Chemotherapie nicht vorbei und doch fühle ich mich, wie früher schon beschrieben, wohl wieder unter ärztlicher Bewachung zu stehen. Grotesk und schwer nachvollziehbar. Der ganze Verlauf der Krankheit spricht immer mehr für die Statistik meiner geschätzten Lebenserwartung und doch möchte ich mich nicht geschlagen geben, gerade jetzt wo ich in die Welt der Klemmbausteine eingetaucht bin. Auch habe ich Angst nicht mehr aufs Fahrrad steigen zu können, wenn der Winter vorbei ist, da mir jetzt schon das Treppensteigen schwer fällt. Bis zuletzt war mein größtes Problem die Schmerzen unter Kontrolle zu bekommen. Nun stehe ich aber vor dem Hindernis, der körperlichen Limitiertheit, die zu schnell voranschreitet. Nichts, was man mit Tabletten oder Spritzen abfangen könnte. Es liegt nicht mehr oder lag auch nie in meiner Hand, den Verlauf zu ändern und das macht mich wütend. Ich bin mir von Anfang an bewusst, in welcher Situation ich mich befinde und was auf mich zukommt, allerdings wird es glaube ich auch Zeit, nach außen zu kommunizieren, dass das Schiff so langsam den Hafen erreicht. Das hat nichts mit Aufgeben zutun, zumal man manche Dinge nicht ändern kann. Im Gegenteil gibt es einem die Möglichkeit, die restliche Zeit noch viel besser wahrzunehmen und wertzuschätzen. Zu meinem Klinikaufenthalt kann ich nichts negatives sagen, auch weil mir die offene und grüne Architektur sehr zusagt. Das Personal ist sehr nett und kompetent und ich habe heute am Snackautomaten mit 80 Cent ein Twix, sowie Haselnuss-Schnitten ergattern können, durch einen geschickten „Schubser“ im Moment, als keiner geguckt hat. Falls es Karma gibt, habe ich genug Kredit um mich nicht schuldig zu fühlen. Auch hatte ich wieder mal das Glück ein Zimmer für mich allein zu bekommen und mir kommt der Verdacht, dass man vielleicht Mitleid für meine Situation hat. Ich würde hier gerne auf einer positiven Note enden, aber zurzeit habe ich keine Argumente dafür, außer das ich weiterhin nicht den Kopf in den Sand stecke und das ich noch Hobbies habe, für die man keinen langen Atem brauch.

Onkologie Bad Berka

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