Ich denke Jeder kommt in seinem Leben mal an den Punkt, wo er das Puzzeln für sich entdeckt. Ich zähle mich nun auch dazu und ich kann noch nicht beurteilen, ob es mein Leben bereichert. Nach meiner Therapie in der ersten Januar-Woche und der abgeschlossenen Bestrahlung der Bauchspeicheldrüse habe ich nun eine Leerlaufphase, bis es Anfang Februar weitergeht. Einerseits ist es natürlich positiv, erstmal keine Behandlung zu haben, andererseits macht es mich etwas nervös, auch weil ich es nichtmehr gewöhnt bin. Es suggeriert eine trügerische Ruhe, vielleicht bin ich aber auch nur ein bisschen paranoid geworden oder ein Hypochonder. Zugegeben gewöhnt man sich recht schnell daran, dauernd unter medizinischer Beobachtung zu stehen, was einen auch eine gewisse Ruhe und Zufriedenheit gibt. Jedenfalls habe ich nun das Puzzeln in meinem Alltag integriert in Form eines 1000-Teile Puzzles. Der Plan ist, dass ich immer am Abend daran arbeite, auch um der Müdigkeit entgegen zu wirken, die sich meist sonst schon wegen der Medikamente gegen 19 Uhr einstellt, was ziemlich nervig sein kann. Angefangen mit den Randteilen kam ich recht schnell zu der Einschätzung, dass es wohl nicht in zwei Abenden abgetan ist. Viel Sortieren, viel Probieren und ein bisschen Frust darüber, dass ein Randteil noch nicht aufgetaucht ist. Trotzdem saß ich am ersten Abend vier Stunden engagiert und motiviert, auch weil ich mir selbst die Auflage gegeben habe, mein neues Lego-Set erst aufzubauen, wenn ich mit dem Puzzle fertig bin. Ein weiteres neues Projekt für die Zukunft. Auch merke ich, dass es mich ein bisschen erdet. In letzter Zeit verfalle ich oft in die schlechte, mürrische Laune, die ich nie aufsetzen wollte, gerade wenn ich täglich Besuch bekomme. Momentan kämpfe ich mit einer eigentlich unbegründeten Unzufriedenheit, die ich wirklich ungern bei meiner Familie abladen möchte, was mir nicht zu 100% gelingt. Auch das Erklären, dass es mir eigentlich gut geht, gepaart mit meiner abweisenden Laune, die man natürlich wahrnimmt, bugsiert mich in einen Teufelskreis an Beschwichtigungen und Erklärungen, der mich noch mehr frustriert. Ich denke, ich verbringe zurzeit lieber Zeit mit mir selber, was auch nie ein Problem für mich darstellte, da ich oft beruflich und urlaubstechnisch alleine unterwegs war. Ich möchte am liebsten sofort mit allen möglichen Therapien fortfahren, um mein normales Leben wiederzuerlangen. Arbeiten gehen, Sport machen, sich mit Freunden treffen oder Reisen, aber im Moment bin ich dazu verdammt, abzuwarten und zu glauben, dass alles so läuft wie geplant. Jedenfalls kann ich alleine ganz gut darüber fluchen, warum das eine Puzzleteil noch nicht aufgetaucht ist. Ob ich mir danach nochmal ein neues Puzzle zulegen werde, kann ich noch nicht abschätzen, aber ich werde es auf jeden Fall fertigstellen, denn am Ende ist das Resultat wichtig und nicht der Weg dahin.
