Freitag 8 Uhr, gut ausgeschlafen und bereit für die Herausforderungen des Tages, saß ich am Tisch in meinem Patientenzimmer, welches ich zum Glück nicht teilen muss, da die Nuklearmedizinische Abteilung gerade nicht sehr frequentiert war und aß mein leichtes Frühstück. Vielleicht lag es auch daran, dass das Wochenende anstand und die meisten Patienten entlassen wurden. Für mich jedenfalls fühlte es sich nicht wie Freitag an, denn heute würde die erste Behandlung mit Yttrium-90 stattfinden. Ich checkte schon einen Tag früher ein, das normale Prozedere, begleitet durch weitere Aufklärungsgespräche, Legen eines Zugangs am Arm und Medikamentenabstimmung. Jedenfalls schluckte ich meine bitteren Tropfen und schlüpfte in das verhasste OP-Hemd. Egal wie groß ein Ego ist, mit dem „luftigen“ Kleid fühlt man sich immer ein bisschen ausgeliefert, dachte ich mir und gegen 9 Uhr fuhr ich in Richtung OP. Ein bisschen warten musste ich dann trotzdem noch, doch das ist man im Klinikalltag schon gewöhnt und dadurch, dass ich diesmal wusste, was auf mich zukam, war es fast schon entspannend. Egal wie oft ich auch schon auf dem OP-Tisch lag, ist es immer wieder besonders, in den Raum zu fahren, auf den Tisch umzusetzen und vorbereitet zu werden. Spätestens mit Anlegen des EKGs nimmt man akustisch war, wie sehr man dann doch noch aufgeregt ist. Am unangenehmsten ist der Einstich des Zugangs und das Setzen des Katheders. Mit dem Geräusch einer Reißleine oder einer einholenden Angelschnur wurde dann die richtige Position in der Leber anvisiert, merken tut man davon aber nichts. Leider konnte ich aus meiner Liegeposition die Monitore nicht sehen, sonst hätte ich live verfolgen können, wo der Katheder gerade lag. Als erstes wurde die zweite Sektion der Leber mit Kontrastmittel getestet, die dann beim nächsten Mal „scharf beschossen wird“. Direkt im Anschluss wurde dann zu meinem Glück die erste Sektion mit dem radioaktiven Mittel versorgt. Dies hieß nämlich für mich, dass ich an diesem Tag nicht noch ein zweites mal auf den OP-Tisch musste, wie anfangs geplant. Bei diesem Szenario hätte man den Katheder wieder gezogen, aber den Zugang an der Einstichstelle gelassen. Nach rund einer Stunde fand ich mich mit Druckverband im Gang wieder. Jetzt musste ich nur noch die zahlreichen CT-Aufnahmen von Leber und dem ganzen Körper absolvieren, was nochmal etwa 3 Stunden ohne Wartezeit in Anspruch nahm. Gegen 14 Uhr war ich wieder auf meinem Zimmer und gegen 17 Uhr kamen schon die Ärzte mit den guten Neuigkeiten, dass die Aufnahmen eine gute Verteilung des Mittels in der Leber zeigten. Zusammenfassend war es also ein erfolgreicher Eingriff und auch wenn der Krebs nicht heilbar zu sein scheint, ergattere ich mir weitere Punktsiege. Das radioaktive Mittel wirkt jetzt 64 Stunden mit etwa 11 Millimetern Reichweite, ein Fakt, der mich immer noch staunen lässt. Bei der nächsten Behandlung im Februar könnte dann ein CT schon erste Fortschritte zeigen. Bis dahin werde ich davon berichten, ob die Strahlung mir Superkräfte verliehen hat oder ob ich meine Helmsammlung weiterhin als Dekoration benutzen muss.
