Wie vertreibt man sich eigentlich die Zeit? Diese Frage stellte ich mir unentwegt, abends im Hotelzimmer, wenn ich mal wieder auf Montage war und mir langweilig wurde. Seit Abschluss meiner Ausbildung 2016, war ich fast durchgängig beruflich unterwegs in Hotelzimmern und Ferienwohnungen. Ferienwohnungen boten meist den Komfort einer voll ausgestatteten Wohnung, ähnlich wie zu Hause. Hotelzimmer ließen mich verzweifeln, da ich genug hatte von der deutschen Fernsehlandschaft und Streamingdienste die ich schon lange durchgeschaut hatte, zumindest den Content, der mir gefiel. Ich überlegte ernsthaft, was man noch so anstellen könnte. Jedesmal die Spielekonsole abbauen und wackelig an die zum Teil veralten TVs jener Hotelzimmer anbauen, empfand ich auch als zu aufwendig. Ich versuchte mich, zu erinnern, was ich als Kind gerne getan habe, um mir die Zeit zu vertreiben. Klar nach der Schule nach Hause, Ranzen in die Ecke und Animes geschaut. Irgendwann kam ich darüber auf den Trichter, dass Animes nur die filmische Umsetzung eines Mangas ist. Das heißt erfolgreiche Comicserien aus Japan werden in Bewegtbilder umgesetzt. Natürlich startete ich auch nochmal mit einem meiner Lieblingsanimes „One Piece“. Dieser startete im Jahr 1999 und läuft aktuell immer noch. 2017 begann ich und holte die aktuelle Folge 1000(!) in diesem Jahr ein. Aber der Aspekt des Mangas fesselte mich und recherchierte ins Blaue, was aktuell überhaupt im Trend ist. Natürlich kennt jeder Dragonball und Co. aber ich stach in ein Wespennest ungeahnten Ausmaßes. Im Bücherladen meines Vertrauens kaufte ich drei Mangabände, welche gute Kritiken hatten und somit begann mein Reise, meine Liebe und meine Sucht nach Mangas. Fortan bestand mein Reisekoffer zum Viertel aus Büchern, die ich abends nach der Arbeit verschlang. Wenn ich im Ausland beruflich unterwegs war, kaufte ich mir in örtlichen Comicstores englische Bücher. So konnte ich Vergnügen damit paaren, mein Englisch zu trainieren. Mittlerweile habe ich eine Excelliste erstellt und festgestellt, dass ich 30 laufende Bandserien parallel lese. Sogar eine Connection nach Australien habe ich mir aufgebaut, da man an englische Mangas in Deutschland schwer rankommt. Ich rede mir ein, dadurch eine profitable Altersvorsorge in Form von Büchern angelegt zu haben, aber seien wir ehrlich, zum Teufel würde ich sie verkaufen. Aber im Falle einer Apokalypse und dem damit verbundenen Stromausfall, bin ich auf der sicheren Seite. Aber was fasziniert mich an Mangas. Zum Einen sind es die zum Teil abgedrehten, aber auch berührenden Geschichten, die einen in Fantasywelten, dem Alltag entrinnend, entführten. Geschichten, die meist einen Protagonist haben, der von ganz unten anfängt, sich durch Freundschaft, Liebe und Vertrauen vom Nobody zum Held entwickelt und die Welt rettet. Sogenannte Shounen-Mangas, die beliebtesten Serien mit Vertretern, wie Dragonball, Naruto oder Bleach. Zum Anderen kommt natürlich auch der Sammelfaktor hinzu. Ganze Bandserien und toll designte Einzelbände in ein Regal, fein säuberlich einordnen zu können, womöglich noch mit Schutzhülle gesichert für die Jahrhunderte die noch kommen, ist der Traum eines Jeden, der schonmal jegliche Art von Dingen gesammelt hat. Momentan vertreibe ich mir meine Zeit in Krankenhäusern und bin überglücklich, in dieses Wespennest gestochen zu haben, denn ich bin immer noch frei von WLAN-Empfang und Stromanschluss. Außerdem hat man meist einen guten Aufhänger ein Gespräch zu beginnen, wenn man dabei erwischt wird, ein Buch von rechts nach links zu lesen. Anfangs war es mir mit Ende 20, Anfang 30 unangenehm auch nur Mangas zu kaufen. Ich bin doch Erwachsen und kein Kind mehr, aber wenn ihr mich fragt, sollte man im Erwachsenenalter nicht damit aufhören, die Dinge zu tun, die einem Spaß machen. Man muss schon auf so viel verzichten und Kompromisse eingehen und ich hab nichtmal Frau und Kinder, für die ich sorgen muss. Von daher fühle ich mich super cool damit, bin stolz auf meine Sammlung und werde weiterhin meine Mangaausbeute präsentieren.
