Invest in the future

Billy Idol geht nochmal auf Tour und wird auch einige Auftritte im Juli in Deutschland haben. Erfahren habe ich davon durch Zufall von meiner Schwester, denn mein Schwager in Spe hatte Tickets von ihr bekommen. Verdammt, da muss ich mit meinen Kumpels auch dabei sein und zu „Sweet Sixteen“ oder „Don´t you“ die 80s feiern. Mein letztes Konzert in Dresden zu A-HA ist schon viel zu lange her und eine kurze Message an meinen Kumpel, der weiter durch den Freundeskreis fragen wollte, machte mich sehr zuversichtlich, dass sich bestimmt einige finden lassen. Das war Anfang Oktober, als der Status quo noch nicht feststand. Ich weiß noch genau, dass ich die Rückmeldung von meinem Kumpel Ende Oktober bekam, als gerade wieder die Infusionen der Chemotherapie an meinen Port angeschlossen wurde. Zu viert können wir starten und dann auch zeitnah Karten kaufen. Ich hatte es ehrlicherweise gar nicht mehr auf dem Schirm gehabt und konfrontierte mich nun mit einem ziemlich bizarren Gedanken. Die ersten Tage und Wochen nach der Diagnose erlebte ich wie im Tunnel, ohne mir groß Gedanken zu machen, schon gar nicht über die Zukunft. Ich saß im komfortablen Relaxsessel auf der onkologischen Station in Weimar und starrte auf mein Smartphone und wusste nicht was ich antworten soll. Ich weiß nicht was im Juli ist. Ich weiß nicht, ob ich im Juli noch da bin. Zum ersten mal musste ich darüber nachdenken, ob ich in knapp acht Monaten noch leben werde. Wie gesagt funktionierte ich in dieser Zeit nur, da die Chemotherapie erstmal anlief und so viele neue Eindrücke erstmal keine Möglichkeit bot, über solche detaillierten Dinge nachzudenken. Es war der festgesetzte Termin, der die ganze Situation so schockierend real machte. 03.07.2022 – wo bin ich an diesem Tag? Wer bin ich an diesem Tag? Ich habe noch am selben Tag online Karten gekauft und mir zuschicken lassen. Meine Situation ist im Grunde genommen, gar keine besondere, denn wer kann schon behaupten, zu wissen, was er in acht Monaten tun wird oder wo er sein wird. Ich für meinen Teil, denke weiterhin wie jeder normale Menschen. Natürlich bin da am Start und lass richtig die Sau raus. Ich habe so viele Patienten bei meinen Therapien und Behandlungen getroffen, die von der Grundeinstellung schon so negativ gepolt waren, dass mich das wirklich geprägt und abgeschreckt hat. Ich möchte kein nörgelnder sich ewig beschwerender und das Schicksal verfluchender Mensch sein. Man hat immer die Wahl zu Lachen oder zu Weinen, aber ich habe empirisch herausgefunden, dass Weinen und sich Beklagen kein Vorteil hat. Meine Schmerzen werden davon nicht weniger und geheilt werde ich davon auch nicht. Also warum dann seine Zeit mit schlechter Laune vergeuden, seine Mitmenschen mit nörgeln quälen oder in Allem nur das Negative zu sehen. Ich habe die Zeit meines Lebens, denn wer kann schon behaupten, den ganzen Tag Videospiele spielen zu können, Filme zu schauen, auszuschlafen oder Comics zu lesen. Ich habe mir ein bisschen was angespart und kann mir so einzelne Wünsche erfüllen. Und ich werde im Juli, vielleicht mit etwas gehemmten Alkoholkonsum das Leben und mich selbst auf einem Konzert feiern. Ein anderes realistisches Szenario ergibt sich für mich nicht, auch wenn ich mir Sorgen mache, im Juli noch nicht meinen Sommerbody wieder zu haben.

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